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Fachkräfte – Ein rares Wirtschaftsgut

Fachkräfte – Ein rares Wirtschaftsgut

Fachkräfte und deren Mangel ist nicht erst seit gestern ein Problem und kommt auch nicht unerwartet. Bereits mehrere Jahre warnen Wissenschaftler vor möglichen Engpässen in für unterschiedliche Berufsgruppen. Termingetreue Abwicklungen von Aufträgen wird für immer mehr Unternehmen zu einer Herausforderung. Es mangelt an Fachkräften, die eigene Ausbildung liegt schon zu weit zurück und der Stellenmarkt bietet ebenfalls keine Lösung. Doch in welchen Berufen gibt es diesen Mangel tatsächlich? Und lohnt es sich eventuell sogar umzuschulen?

Wer ist Betroffen

Betroffen vom aktuellen Mangel an Fachpersonal sind nicht mehr nur wie früher der Maschinenbau und das Ingenieurswesen, sondern auch die Gastronomie, das Gesundheitswesen, die IT-Branche oder die Elektrotechnik. Auch Architektur- und Ingenieurbüros, das Ausbaugewerbe, Verkehrsdienstleister, Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer suchen neue und qualifizierte Mitarbeiter. Die nächsten Jahrzehnte wird sich dieses Problem wohl noch verschärfen. Durch den demographischen Wandel in Deutschland wird das Erwerbspotential, also die theoretische Gesamtzahl an Personen die in der Lage sind zu arbeiten, bis 2025 um ca. 6,5 Millionen Menschen senken. Somit nimmt auch der Mangel an Fachleuten zu.

Ausbildung oder Studium

Immer mehr Menschen studieren in Deutschland. Die Anzahl der Studierenden an Hochschulen in Deutschland vom Wintersemester 2002/2003 betrug ca. 1,9 Millionen.  Im Wintersemester 2016/2017 waren nach vorläufigen Ergebnissen bereits 2,8 Millionen Studierende immatrikuliert. Doch auch wer nicht studiert hat immer bessere Chancen auf einen gesicherten Arbeitsplatz. Denn besonders im Maschinenbau oder der Elektrotechnik sind Facharbeiter mit einer guten Ausbildung gefragt. Der Gesundheitssektor im Bereich Pflege sucht massiv nach geeignetem Fachpersonal. Und auch für diesen Beruf wird kein Studium oder anderer akademischer Abschluss benötigt. Sollte man sich bei seiner Studium Wahl für keins der gefragten Fächer entschieden haben, ist es derzeit nicht sicher, ob man als Akademiker seinen Traumjob sofort oder überhaupt findet. Es lohnt sich also eine genaue Überlegung, ob nicht die mittlere Reife und eine 2-3 jährige vergütete Ausbildung genügen. Oder ob es unbedingt das Abitur und nochmal drei bis fünf Jahre Studium ohne ein Einkommen sein müssen.

Umschulen kann sich lohnen

Wenn man sich dazu entschlossen hat, eine Umschulung anzugehen, gibt es wie bei der Ursprünglichen Berufswahl viele Faktoren die in die endgültige Entscheidung mit einwirken. Natürlich zählt die persönliche Vorliebe, aber auch die Berufsaussichten des jeweiligen Berufes spielen eine zentrale Rolle. So kann die Umschulung eine zweite Chance auf eine aussichtsreiche Karriere sein. Dabei kann man sich ganz besonders den Fachkräftemangel zunutze machen. Die Tätigkeit in einem verwandtem Beruf ermöglicht es einem ebenfalls, gute Chancen durch entsprechende Umschulungen oder Weiterbildungen Fuß in den Mangelberufen zu fassen. Einige der erforderlichen Zusatzqualifikationen können sogar neben beruflichen Tätigkeit erworben werden.

Gibt es Gegenmaßnahmen?

Die Maßnahmen der Bundesregierung wurden in fünf Sicherungspfade unterteilt:

  1. Aktivierung und Beschäftigungssicherung
  2. Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  3. Bildungschancen für alle von Anfang an
  4. Qualifizierung: Aus- und Weiterbildung
  5. Integration und qualifizierte Zuwanderung

 

Aktivierung und Beschäftigungssicherung

Auf dem Arbeitsmarkt gewinnen immer mehr ältere Menschen an Bedeutung. Von 2005 bis 2009 ist die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 55 bis unter 65 Jahren um mehr als eine Million angestiegen. Personen im Alter von 60 bis unter 65 Jahren hat sich sogar von rund 20 Prozent auf ca. 40 Prozent verdoppelt. Durch die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre werden laut der Analyse der Bundesagentur für Arbeit bis 2025 rund eine Million Arbeitskräfte gesichert. In der Zukunft will die Bundesregierung ihr Augenmerk noch mehr auf die Integration Älterer in den Arbeitsmarkt legen. Sie tragen mit ihren Stärken bedeutsam zum betriebswirtschaftlichen Erfolg bei. Besonders durch ihre erworbene fachliche Kompetenz, ihr Erfahrungswissen und hohe Sozialkompetenz.

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Frauen gelten für Wissenschaftler und die Bundesagentur für Arbeit als das größte und am schnellsten zu aktivierende Potential im Bereich der fehlenden Fachkräfte in Deutschland selbst. Im Norden und Westeuropa wird dieses Kraft viel mehr genutzt. In Deutschland liegt die Erwerbstätigenquote von Frauen (im Alter von 20 bis 64) um rund 10 Prozentpunkte niedriger als die der Männer. Nur 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach. Damit belegt Deutschland hier den vorletzten Platz im EU-15-Vergleich. Doch viele Frauen würden in der Familienphase mehr arbeiten oder wären sogar gerne berufstätig. Ob alleinerziehende Mütter oder in Paarfamilien, die Bedingungen für eine Ausweitung oder Aufnahme des Berufslebens zu verbessern, ist ein großes Ziel verschiedener gesetzlicher Initiativen der Bundesregierung. 

Bildungschancen für alle von Anfang an

Ein langfristiges Ziel für mehr Fachkräfte ist die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Durch die sinkende Geburtenrate und anspruchsvollere Tätigkeiten ist es noch wichtiger geworden für alle Kinder und Jugendliche gleiche Bildungschancen zu generieren. Die Zahl an Schulabgängern geht zurück und doch sind es immer noch zu viele, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Dadurch ist es für diese Personen nur sehr schwer möglich, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Das Bildungspaket unterstützt 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche, deren Eltern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, Sozialhilfe, den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Sport, Musik oder andere kulturellen Aktivitäten sind so in den Bereich des Möglichen für sie gerückt. So stehen diese junge Menschen in der Zukunft hoffentlich der Gemeinschaft als Fachkräfte zur Verfügung. 

Qualifizierung: Aus- und Weiterbildung

Qualifikation der Mitarbeiter spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg von Unternehmen. Daher ist es im eigenen Interesse jungen Menschen die Chance zu geben, eine gute Ausbildung zu erhalten. Und nach erfolgreichem Abschluss diese Kräfte durch Aufstiegschancen an das Unternehmen zu binden. Seit 2007 meldet die Bundesagentur für Arbeit einen Rückgang der gemeldeten Ausbildungsplatzberwerber um rund ein Viertel. Neben der Schulabbrecherquote muss auch die Abbrecherquote bei der Berufsausbildung deutlich gesenkt werden. Für eine gute Berufsausbildung ist eine gute schulische Ausbildung, sowie eine genaue Berufsberatung essentiell. Berufsorientierung und -beratung sind Pflicht der Arbeitsförderung, die flächendeckend durch die Arbeitsagenturen wahrgenommen werden. Weiterbildungsmöglichkeiten sind durch demografische Bedingungen ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen den Fachkräftemangel geworden. Durch die steigenden Anforderungen ist es notwendig, sich stetig weiterzubilden, neues Fachwissen zu erlangen. Dabei geht es nicht nur um das Aktualisieren von Wissen, sondern auch, um Höherqualifizierungen. So kann eine Fachkräftebasis der Unternehmen gesichert werden. 

Integration und qualifizierte Zuwanderung

Menschen mit Migrationshintergrund sind in deutschen Unternehmen deutlich unterrepräsentiert. Grund dafür sind oft unzureichende sprachliche, schulische und auch berufliche Qualifikationen. Oder die fehlende Möglichkeit der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Auch der Bund ist sich seiner Rolle als Arbeitgeber bewusst. Fachkräfte mit Migrationshintergrund könnten für Unternehmen durch ihre zusätzlichen sprachlichen und kulturellen Kompetenzen wertvolle Faktoren sein. Durch den demografischen Wandel will die Bundesregierung verstärkt auf qualifizierte Zuwanderung setzen, auch wenn die Nutzung und Förderung inländischen Potentials Vorrang hat.